Bernhard Jodeleit: Social Media Relations

Es ist schon regelrecht erstaunlich: Fast alles, was hier in den letzten Wochen zum Thema „Social Media“ auf meinem Tisch landet, ist wirklich gut. Erst recht die vorliegende Veröffentlichung. Diese ist zudem noch sehr fesselnd geschrieben.

Solche Bücher muss man allerdings schnell lesen, weil sie beim Zuschauen veralten: Social Media wandeln sich so schnell, dass Details oft schon nach Wochen oder Monaten überholt sind. Niemand will Tweets von vor zwei Jahren lesen. Wenn diese Bücher aber hinreichend Hintergrund bieten, dann sind sie über den Tag hinaus wertvoll. „Social Media Relations“ ist ein solches Werk. Hoffen wir, dass es nicht zu schnell in der Versenkung verschwindet. Wahrscheinlich müssen wir uns auch sowieso daran gewöhnen, dass Papierbücher einfach nicht mehr die langfristige Gültigkeit haben wie noch vor einigen Jahren.

„Social Media Relations“ (und wir gehen jetzt einfach mal großzügig darüber hinweg, dass in den Titel im Deutschen unbedingt Bindestriche gehören, weil der Autor ansonsten hinreichend beweist, dass er die deutsche Sprache beherrscht)  ist deswegen so wundervoll und spannend, weil es sich im Grunde um eine Art umgekehrte Mogelpackung handelt. Denn es ist nicht weniger drin, als der Titel vermuten lässt, sondern eine Menge mehr: Fundiertes Wissen, interessante Beobachtungen, umfassende Bewertungen. Denn Social-Media-Strategien sind ja nur dann gut – und ich werde nicht müde, das zu betonen – wenn man die neuen Medien als zusätzliche Werkzeuge begreift. PR kann nur machen, wer PR kann. Aber da sich dieses Buch an PR-Profis richtet, sollte man das voraussetzen können.

Jodeleit geht auf den größeren Zusammenhang und auf Risiken und Chancen ein, bevor er sich der Umsetzung widmet. Konsequent von Anfang bis Ende verfolgt, führt „Social Media Relations“ von der Entwicklung einer Strategie bis zur deren erfolgreicher Realisierung. Praxisbeispiele, umsetzbare Tipps und viele, viele Hinweise auf Tools und Websites ergänzen den theoretischen Teil. Gut gefällt mir natürlich der Part über solches PR-Verhalten, das gegen jedes Berufsethos verstößt und darüber, wie man es richtig machen kann. Hoffentlich öffnet er dem einen oder anderen die Augen. Wichtig auch, dass Jodeleit ein Monitoring für jene anmahnt, die sich selbst (noch) nicht aktiv am Web 2.0 beteiligen. Schön, dass er dann auch gleich detailliert beschreibt, wie es funktioniert.

Wenn man eine Menge solcher Bücher gelesen und sich intensiv mit dem Thema beschäftigt hat, fällt einem allerdings auf, dass darin wenig wirklich Neues steht. Dieses fasst so ziemlich den aktuellen Stand zusammen. Viele der Inhalte habe ich fast genau so schon woanders gelesen. Einen Großteil davon selbst beschrieben oder empfohlen. Das bringt die Materie mit sich und der enge Austausch, in dem wir Social-Media- und PR-Leute in Deutschland stehen.  Die Kunst liegt also mehr in der Kombination und darin, wie viele Facetten ein einziges Buch abdeckt und wie viele Bedürfnisse es bedient. Wer also ein einziges Buch braucht, um einen guten Überblick und eine Grundlage für die eigene Arbeit zu gewinnen, der ist mit diesem gut bedient.

Bernhard Jodeleit: Social Media Relations. Leitfaden für erfolgreiche PR-Strategien und Öffentlichkeitsarbeit im Web 2.0. dpunkt.verlag, Heidelberg 2010. 227 Seiten. ISBN: 978-3-89864-694-9. 29,90 Euro

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