Daniela Puttenat: Praxishandbuch Krisenkommunikation

Man braucht sie ja gar nicht mehr aufzuzählen und zu benennen, die PR-Krisen und Kommunikations-Super-GAUs der letzten Tage, Wochen und Monate – lokal und global; in Politik und Wirtschaft. Jeder normale Fernsehzuschauer, Zeitungsleser und Internetnutzer hat sie mitbekommen: Peinliche Pressekonferenzen. Hilflose Verlautbarungen, die sich dann hinterher auch oft noch als falsch herausstellten. Versuche, den eigenen Hals zu retten, indem man anderen die Schuld zuschob. Hektische Anstrengungen, Dinge noch schnell zu vertuschen, die in Wirklichkeit längst jeder wusste.

Der Durchschnitts-Medienkonsument kriegt eine Wut auf die Reichen und Einflussreichen. Der Fachmann dagegen wundert sich: Haben die sich denn nicht beraten lassen? Hatten die etwa vorab gar kein gescheites Konzept zur Krisenkommunikation? Haben sie denn nicht einkalkuliert, dass auch immer etwas schiefgehen kann?

Jeder, der Öffentlichkeit sucht, sollte sich auch überlegen, was im Krisenfall zu tun ist. Da kann man gar nicht gründlich genug sein. Aber: Mühe allein genügt nicht. Krisenkommunikation gehört in die Hände von PR-Profis. Don’t try this at home! hatte ich vor anderthalb Jahren in meinem Blog PR-Doktor geschrieben. Lesen Sie dieses Buch!, kann ich jetzt nur hinzufügen.

Ein bisschen schade ist der Untertitel, weil der Hintergrund zu den aktuellen Bezügen und Personen wahrscheinlich in ein paar Jahren vergessen sein wird. Das Buch wird dann aber immer noch Gültigkeit besitzen. Fundiertes Fachwissen und gründliche Marktbeobachtung sind nötig, damit man ein solches Buch schreiben kann. Eines allerdings ist mir persönlich etwas aufgestoßen: Der Text enthält ungewöhnlich viele stehende Wendungen und schon klischeehaft zu nennende Formulierungen – vom „Lausbubencharme“ über den „phlegmatischen Bartträger“ bis zum „Aufschrei der Empörung“. Mir wird so etwas beim Lesen schnell über, aber das ist ja Geschmackssache. Dem eigentlichen Wert des Inhaltes schadet es nicht.

Wirklich schön sind die gute Gliederung und der Aufbau der einzelnen Kapitel. Besonders da, wo dem konkret geschilderten Fall eine Bewertung und dann eine „Lektion“ für die Prävention von Störfällen folgt. So entsteht an den Beispielen Schritt für Schritt ein Manual der Krisenkommunikation. Beispiele: „Wie sag ich’s der Presse?“, „So tappen Sie nicht in die Foto-Falle“ oder „Was gehört in eine Krisenhandbuch?“ Auch mit der Analyse und Manöverkritik nach der Krise befasst sich ein Abschnitt und damit, wie es gelingen kann, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Obgleich die Autorin unter „Lessons learnt? Lessons learnt“ abschließend noch einmal alle wichtigen Punkte zusammenfasst: Dieses Buch kann Problembewusstsein wecken. Danach sollte jeder in der Lage sein rechtzeitig zu erkennen, wann die weitere Kommunikation auf jeden Fall in die Hände von Profis gehört. Wann die eigenen PR-Profis im Unternehmen zusätzliche externe Unterstützung brauchen.

Doch noch einmal, nachdrücklich, meine Bitte: 1. Sorgen Sie rechtzeitig vor; nämlich bevor etwas passiert. 2. Versuchen Sie es nicht allein. Aber: Lesen Sie auf jeden Fall dieses Buch.

Daniela Puttenat: Praxishandbuch Krisenkommunikation. Von Ackermann bis Zumwinkel: PR-Störfälle und ihre Lektionen. Gabler, Wiesbaden 2009. 179 Seiten. ISBN: 978-3-8349-1053-0. 38 Euro

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