Roland Kopp-Wichmann: Ich kann auch anders

Gleich das zweite Buch, das ich für dieses Blog gelesen habe, liegt etwas außerhalb meines Kern-Themenbereichs: „Ich kann auch anders. Psychofallen im Beruf erkennen“ heißt das neue Buch von Roland Kopp-Wichmann, das allerdings schon eine Weile auf meinem Stapel liegt und daher dringend rezensiert werden will.

Welche Psychofalle vielleicht dazu geführt hat, dass der Bücherstapel in meinem Büro statisch bedrohliche Ausmaße annahm, ehe ich dieses Blog gestartet habe, muss ich allerdings erst noch herausfinden. „Lustlosigkeit“ (Kapitel 6) war es jedenfalls nicht. „Die unstillbare Suche nach Anerkennung“ (Kapitel 9) kann es auch nicht gewesen sein. Dann hätte ich ja längst schon mal etwas geschrieben. Probleme mit meinem Chef (Kapitel 7) habe ich ebenfalls nicht. Ich habe ja gar keinen. Auch „das Immer-nett-sein-Syndrom“ (Kapitel 1) hat mich – oft zum Leidwesen derjenigen, denen ich deutlich die Meinung sage – noch nicht befallen. Nicht einmal „zu viel Stress“ (Kapitel 5) habe ich. Um ehrlich zu sein: Ich brauche sogar einen gewissen Stresspegel, um produktiv zu sein.

Eine Stärke des Ratgebers ist die eingängige und durchgängige Struktur, die sich durch alle Kapitel zieht. Was dieses Buch zudem auszeichnet, ist die leichte und unterhaltsame Herangehensweise. Sie macht es auch jenen, die ihr Verhalten bisher nicht gründlich reflektiert haben, leicht, sich die eigenen Muster einmal genauer anzuschauen. Auch wer bereits Seminare besucht oder Coaching-Stunden genommen hat oder beispielsweise mit Bewusstseinstechniken arbeitet, kann sich anhand dieser Aufstellung durchaus das eine oder andere eingeschliffene Muster noch einmal anschauen. Niemand ist wohl frei von allen diesen Verhaltensweisen. Vermutlich nicht einmal der Autor selbst, sonst hätte er nicht so viele wirklich gute Vorschläge und Experimente, wie man mit ganz einfachen Mitteln aus den eingefahrenen Gleisen herauskommt – ohne Vorbildung, ohne Coach, einfach durch’s Tun. Selbsttests und Anregungen, tiefer einzusteigen, machen dieses Werk wirklich praxistauglich.

Manches ist mir persönlich nicht tief genug, da blitzt umfassenderes Wissen um die Zusammenhänge gerade nur auf. Manches ist mir ein wenig zu altbekannt. Aber vielleicht ist beides gerade für ein Einsteiger-Buch eher von Vorteil.

In einem Punkt kann ich den Autor nicht verstehen und ihm auch nicht zustimmen. „Veränderung ist schwierig“ affirmiert er gleich im Vorwort als „Leitsatz“. Keine sehr hilfreiche Überzeugung, um die Arbeit an sich selbst zu beginnen. Mein Tipp: Einfach drüber weg lesen und gleich in das erste Kapitel einsteigen.


Roland Kopp-Wichmann: Ich kann auch anders. Psychofallen im Beruf erkennen. Kreuz Verlag, Freiburg im Breisgau 2010. 180 Seiten. ISBN-13: 978-3783134124. 14,95 Euro

(c) Abbildung: Kreuz Verlag

9 Gedanken zu „Roland Kopp-Wichmann: Ich kann auch anders

  1. ApfelMuse

    Danke für die Rezension. Habe das Buch einmal verschenkt, aber selbst leider noch nicht gelesen.
    Was mich jetzt noch interessieren würde ist, warum sie den Autor nicht verstehen und nicht zustimmen können bei seiner These: „Veränderung ist schwierig“. Ich finde nicht vieles im Leben was schwieriger ist, als Veränderung. In der Zusammenarbeit mit Menschen und meinen MitarbeiterInnen und Mitarbeitern stelle ich auch oft fest, dass Veränderung 1. Angst macht und 2. schwer ist.

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  2. kerstinhoffmann Artikelautor

    Es mag durchaus sein, dass für viele Menschen Veränderungen nicht immer leicht sind. Aber ich meine, eben deswegen muss man es nicht noch affirmieren. Im Gegenteil: Gerade diesen Leitsatz halte ich für eine massive Psychofalle.

    „Es ist schwer“ und „Es ist schwierig“ sind so absolut verinnerlichte und unbewusste Überzeugungen, dass sie bei vielen das ganze Leben prägen. … Mehr anzeigen

    Meine Erfahrung aus dem Coaching ist, dass es Menschen oft leichter fällt, etwas zu ändern, wenn man ihnen vermittelt, dass es nicht schwer sein muss. Oder wenn man erst diese Überzeugung bearbeitet – und sich dann den eigentlichen Themen widmet.

    Man sollte nicht einem Buch etwas voranstellen, was akkurat den Zielen eben dieses Buches zuwider läuft, finde ich.

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  3. Roland Kopp-Wichmann

    Hallo,
    in vielen Büchern und Seminaren lese und höre ich, dass persönliche Veränderung ganz leicht sei. „Nur diese drei Schritte …“ oder „Nur diese tolle Technik …“
    Fast immer stimmt es nicht und man ist enttäuscht. Entweder zweifelt man dann an sich selbst („Ich bin eben unfähig, habe nicht genug Leidensdruck, habe zu wenig Dispziplin …“) oder man kritisiert die Methode.

    Dass persönliche Veränderung bei bestimmten Themen schwierig ist, hat auch mit unserem Gehirn zu tun. Die grauen Zellen arbeiten ungeheuer konservativ und bevorzugen jene jahrelang erprobten Strategien, die sich bewährt haben. Neues wird erst einmal nicht sofort übernommen.

    Das finde ich wichtig zu wissen, wenn man ein neues Ratgeberbuch liest. Ich wollte keine damit nicht auch wieder falsche Hoffnungen wecken, damit mein Buch dann auch weglegt. Wer aber weiß, dass er eine schwierige Reise vor sich hat, hat vielleicht an den Hindernissen mehr Mut und Ausdauer, weil ihm der Autor von Anfang reinen Wein eingeschenkt hat.

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  4. kerstinhoffmann Artikelautor

    Einfach Ansichtssache. 😉 Diese ausführliche Diskussion betont mir jetzt diesen einen Aspekt zu sehr. Er bekommt dadurch viel zu viel Gewicht, im Gegensatz zu dem ganzen Buch, das ja wirklich gut ist.

    Aber schön, dass mein neues Blog gleich zu Diskussionen anregt.

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  5. Elke

    Ich hatte vor Jahren das Vergnügen – aber eben nicht nur Vergnügen – mit Roland Kopp-Wichmann in Heidelberg an vielen meiner beruflichen und persönlichen Problemen erfolgreich zu arbeiten. Und deshalb kann ich es nur unterschreiben: Veränderung ist schwierig – das ist eine ehrliche Aussage und halt nicht als Affirmation im Sinne vieler 08/15 Ratgeber gedacht. Ein Buch, das mit einem solchen Satz anfängt, interessiert mich sehr viel mehr als ein Ratgeber, der mir von vornherein erzählen will, dass Alles ganz einfach sei. – Danke für die Rezension und bei dieser Gelegenheit – falls du hier nochmal reinschaust, Roland – liebe Grüße aus Frankfurt –
    Elke

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  6. NN

    (Dieser Kommentar wurde auf Wunsch der Verfasserin am 14. Juni 2015 gelöscht. Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass ich daraus keine Verpflichtung meinerseits ableite, bereits veröffentlichte Kommentare nachträglich zu löschen.)

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